DER ORIENT LEBT!
Mehr als reiner Bauchtanz: Das Berliner „Oasis Danse Ensemble“ gastiert in der der Stadthalle Landstuhl

VON UNSEREM MITARBEITER
ANDREAS KELLER

  Mitreißende, perkussive Rhythmen, die immer wieder zu spontanem Mitklatschen animieren, drei ausdrucksstarke Tänzerinnen in wehenden Schleiern über farbigen Gewändern, dazu draußen im Vorraum ein kleiner Basar mit exotischen Kleidungs-Accessoires und ein paar Meter weiter herrlich süße Leckereien aus dem Morgenland – keine Frage, der Orient lebt. Und die durch Musik und Tanz über die Zeiten hinweg transportierte Faszination der Kultur aus „Tausendundeiner Nacht“ ist ungebrochen, wie der Andrang in der vollbesetzten Landstuhler Stadthalle am Samstagabend bewies.
    Die Erwartungen an die Qualität konnten rundum erfüllt werden, denn keine geringeren als die kompetenten Tänzerinnen des renommierten Berliner „Oasis Danse Ensemble“ hatten eingeladen. Dabei war das unter dem Programmtitel „Oriental Motion 04“ gebotene Programm keineswegs nur an pure orientalische Klänge gebunden. Wer etwa an eine reine „Bauchtanz-Show“ geglaubt hätte, wurde- angenehm- enttäuscht: Tänzerinnen und Instrumentalisten oszillierten in ihrer umfänglichen Show zwischen traditioneller orientalischer Tanzkunst und bis ins zeitgenössische Tanztheater hineinreichenden modernen Ausdrucksformen hin und her.

Sprühendes Feuerwerk

Entsprechend zweigeteilt präsentierte sich der Abend. Im ersten Teil erwartete das Publikum ein sprühendes, unablässig knisterndes Feuerwerk an rassigen Zigeunerreigen, geheimnisvollen Schleiertänzen und eben auch an exotischen orientalischen Standards der nahöstlichen und afrikanischen Tanzkunst.

  Dazu gehörten wein eindrücklicher „Leuchtertanz“ dann ebenso wie – natürlich – auch elegant und selbstbewusst vorgetragene Elemente aus dem klassischen Bauchtanz. Waren in diesem Teil bereits manche Darbietungen entsprechend europäischer Seh-und Hörgewohnheiten mit den Mitteln moderner Tanzformen gemischt worden, so schwenkten die drei Tänzerinnen im zweiten längeren Teil weitaus deutlicher auf die zeitgenössische Schiene mit Versatzstücken aus Modern Dance und Jazzdance ein.
  Jede der drei Tänzerinnen erschien in jeder Facette der gebotenen Tanzdarbietungen absolut zu Hause. Dennoch ließ jede der professionell agierenden Künstlerinnen tänzerische Präferenzen erkennen und spürbar

werden: Fidi Cioponea – Schweer etwa zeigte besondere Stärken im modernen Ausdruckstanz, der in winzigen Bewegungen von Schulter oder Füßen größte menschliche Gefühle und alltägliche Befindlichkeiten auszudrücken im Stande war. Ihre Kollegin Sylka – Rubina präsentierte gleichwertige Kompetenzen im klassischem Orientalischem Tanz ( den sie zum Teil direkt vor Ort in Marokko und in Ägypten erlernt hat), und die Dritte im Bunde, Raksan, bewegt sich dazwischen „ als stilistische Grenzgängerin zwischen Orientalischem Tanz, Modern Dance und Jazz“, wie das Ensemble selbst erklärt. Diese Feinheiten zeigten sich in Landstuhl als beste künstlerische Voraussetzung dafür, dass die drei Akteurinnen sowohl in den Soli, erst Recht aber in

den Auftritten zu zweit und zu dritt eine angenehm glatte, dennoch höchst leidenschaftliche, insgesamt äußerst kompetent anmutende Einheit von Tanz und Ausdruck über die Grenzen der Kulturen hinweg erreichen konnten. Kein Wunder, dass anhaltender Applaus und ermunternde Zwischenrufe ständige Bestandteile der Veranstaltung waren.

Musikalische Qualität

Die hoch-ästhetische Show des „Oasis Danse Ensembles“ lebte freilich auch von der Qualität der musikalischen Umrahmung, die eine Zeit lang aus der „Konserve“, danach umso eindringlicher live präsentiert wurde.
  Hier ist zum einen der klassisch ausgebildete Violinist Andreas Pfaff zu nennen, der für „Oriental Motion 04“ zum ersten mal und mit zwei von ihm eigens hierfür arrangierten Titeln auf einer Bühne dieser Art stand. Am eindrucksvollsten aber agierten die beiden Percussionisten Khader Ahmad (unter anderem) an Tabla und Rahmentrommel, und Wolfram Blechner, ein Spezialist für afrikanische Trommelkunst. Waren die Beiden schon in ihrem gemeinsamen Beitrag im zweiten Teil des Abends von schier umwerfender Vitesse in ihren verschlungenen, treibenden mitreißenden, komplexen Rhythmusgewittern, so konnten sie auch bereits in ihren Solo-Partien überzeugen. Den Gästen wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird wohl Khader Ahmads furioses Percussions-Solo auf einem kleinen irdenen Krug (!),der unter den geschickten Händen des Instrumentalisten so authentisch klang, als sei das Gefäß nie für etwas anderes gebraucht worden.   Die Welt des Orients ist voller Überraschungen. Erst recht, wenn sie so vielseitig und künstlerisch anspruchsvoll wie in Landstuhl dargeboten wird.

Ästhetische Show: das „Oasis Danse Ensemble“.            -FOTO:VIEW