Jenseits von Kairo
Schwerelos, spannfähig und spektakulär:
15 Jahre Oasis Danse Ensemble

Nackt im Wind: Zwei exotische Schöne von vieren

nes, Fidi, Raksan und Sylka - Vornamen, die nicht unbedingt orientalisch klingen, aber trotzdem ein bisschen exotisch. Das sind sie auch, die vier Frauen, die sich zusammen Oasis Danse Ensemble nennen. Schwerelos, gummigliedrig und ziemlich spektakulär wirbeln sie seit 15 Jahren über die Bühne. Orientalischen Tanz nennen sie ihre Kunst und erweitern damit ganz bewusst den Begriff des klassischen Bauchtanzes, der (nicht nur) das körperliche Zentrum ihrer Kunst bildet. Als sie 1986 unter den Fittichen der Orienttanz-Legende Feyrouz anfingen, kam das kunstvolle Hüftkreisen in Deutschland gerade erst in Schwung.
    Aus dem anfänglich bis zu 18-köpfigen Ensemble wurde im Lauf der Jahre eine Prauschaft von Vier. Und ein sehr eigener Stil. Denn was sie tanzen, passt schwer in Schubladen. Da trifft der Orient den Okzident - Spagat und drehende Lenden schließen sich keineswegs aus. Afrodance und Modem, theatrale Bilder und ein Quäntchen expressionistischer Ausdruckstanz, dazu noch Zigeunertänze und Plamenco, kurz - Purismus ist nicht ihre Sache.
  Klänge es nicht so sperrig, wäre "Tanz der Charaktere" eigentlich die richtige Umschreibung, findet Sylka Heuer. Gemeinsam mit Fidi Cioponea-Schweer bildet sie den Kern des sich im Lauf der Jahre immer wieder erneuernden Ensembles. Alle Tänzerinnen betreiben nebenher noch erfolgreiche Solistenkarrieren. Raksan beispielsweise, eine Mitbegründerin, die vor zwei Jahren zu Oasis zurückkehrte, betanzte vom

Circus Roncalli bis zum Variete Chamäleon so ziemlich alle einschlägigen Orte.
  Vom reinen Nummernprogramm hat sich des Oasis Danse Ensemble in den letzten Jahren immer weiter weg bewegt. Die Mythen des alten Ägypten (Re-gypta, 1998) umgarnten sie genauso expressiv mit dem Becken wie Ravels Bolero. Trotz aller Vielfalt - ein nur auf Effekt schielender Stilbasar ist die furiose Mischung nicht. Der Respekt vor den Kulturen, welche die Wurzeln ihrer Tänze bilden, bleibt immer spürbar. "Nur wenn man die Tradition begreift, kann man auch experimentieren", sagt Raksan. So werden dann Schleier zu kreiselnden Kegeln. Und wenn Raksan ohne die Hände zu benutzen, einen Krummsäbel über ihren Schlangenkörper wandern lässt, knistert die Erotik.
  Ihre Jubiläumsshow Hip Drop Hurra besteht natürlich aus den (reichlichen) Highiights der anderthalb Dekaden. Trotzdem: ein bisschen Neues steckt auch in der ältesten Choreographie. Denn bloße Reanimation, ohne die eigene Entwicklung einfließen zu lassen, das interessiert sie nicht die Bohne.
  Aus welchen Ländern die europäisch exotischen Schönen kommen, ist im übrigen Betriebsgeheimnis. Wahrscheinlich liegen die ziemlich nah bei Berlin. Aber die Nationalität ist beim ballettösen Bauchbiegen sowieso egal. Und nicht nur da.

GERD HARTMANN


Oasis Danse Ensemble:Die ersten 15 Jahre - Jubiläumsshow Hip Drop Hurra, 14.+ 15.9., 20.30 Uhr, 16.9., 19.30 Uhr, ufaFabrik,Viktoriastr. 10-18, Tempelhof. Eintritt 35, erm. 30 Mark

ZITTY 19/2001